Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg e.V.
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Tag der offenen Stalltür 2012 - Bilder und Bericht

Ein Stück Normalität zurückgewinnen

Therapien mit dem Pferd helfen bei vielen Krankheitsbildern — Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg stellt sich zahlreichen Besuchern vor

 

WINDHAGEN-JOHANNISBERG, 9. Mai 2012. Als Danilo im Oktober 2011 zum ersten Mal den Reitstall des Zentrums für Therapeutisches Reiten Johannisberg besuchte, zeigte er nicht viel Interesse an den Pferden. Aufgrund seiner Entwicklungsverzögerung reagierte der Siebenjährige gewohnt ängstlich. „Was soll ein Junge, der nicht klettern, schaukeln oder gar sprechen möchte, mit diesen riesigen Tieren anfangen?“, schien er zu fragen. Doch die Zuschauer, die Danilo am vergangenen Sonntag beim Tag der offenen Stalltür in Windhagen-Johannisberg erleben, sehen ein anderes Kind: Voll Vorfreude besteigt er sein Pferd, treibt es durch Kommandos an, absolviert schwierige Turnübungen auf dem schwankenden Pferderücken sehr sicher und strahlt über das ganze Gesicht.

 

„Danilos Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein konnte durch viele Erfolgserlebnisse mit dem Pferd rasch gestärkt werden“, erklärt Jennifer Siepmann, die Leiterin des Therapiebetriebs. „Aufgrund der unbekannten, nicht alltäglichen Situation in der Pferdetherapie sind Erwartungshaltung und Leistungsdruck kaum vorhanden. Deshalb haben Kinder und Erwachsene nicht das Gefühl, therapiert zu werden. Die Bewegung auf dem Pferd empfinden sie als etwas Besonderes. Durch die Beziehung zum Tier lernen sie, ihre Ängste leichter zu überwinden und neue Motivation wird geweckt.“

 

Das gilt auch für den achtjährigen Eric, der seit vergangenem November in Johannisberg eine heilpädagogische Förderung mit dem Pferd erhält. Aufgrund eines Chromosomendefekts hatte er enorme Probleme, seine Impulsivität zu kontrollieren. Der begrenzte Raum auf dem Pferderücken und die rhythmischen Bewegungen des Tieres halfen ihm, zunächst seine sensomotorischen Fähigkeiten und schließlich auch sein Sozialverhalten zu verbessern. Im Umgang mit dem Pferd lernt er, sich auf dessen Bedürfnisse einzustellen, sich zu bremsen, rücksichtsvoll und sanft zu sein.

 

Das Pferd wiederum gibt dem Kind durch seine unmittelbare Reaktion auf sein Verhalten eine direkte Rückmeldung ohne es abzuwerten. Eric lernt dadurch, die Reaktionen anderer wahrzunehmen und sich darauf einzustellen. In Erics Alltag zeigen sich erste Fortschritte darin, dass man inzwischen stressfrei mit ihm einkaufen gehen oder ein Kartenspiel zu Ende spielen kann. Sein Sprachvermögen und sein Muskeltonus haben sich ebenfalls verbessert und er hat mit dem Kopfrechnen angefangen.

 

Danilo und Eric sind nur zwei Beispiele dafür, wie Menschen durch den Umgang mit Pferden neue Möglichkeiten für die Bewältigung ihres Alltags eröffnet werden können. Dr. Dieter Pöhlau, Chefarzt der Kamillus Klinik Asbach präsentierte anschließend die Wirkungsweise der Hippotherapie bei Multipler Sklerose (MS) und verwies auf die in Planung befindliche große MS-Studie. Diese soll die Aufnahme der Hippotherapie in den Heilmittelkatalog der Krankenkassen unterstützen, damit künftig jeder Patient einen Anspruch auf eine solche Therapie erhält und sie sich finanziell leisten kann.

 

Carolin Schwarzbach (33) aus Altenkirchen, die seit 2003 an MS leidet und seit drei Jahren jede Woche zur Therapie nach Johannisberg kommt, stellte sich als Hippotherapie-Patientin den Fragen der Besucher. „Diese halbe Stunde Therapie ist zwar super anstrengend, aber gleichzeitig total entspannend“, beschreibt sie ihre Erfahrungen. „Die Spannungen in den Beinen lösen sich und man bekommt ein gutes Körpergefühl. Wichtig ist dabei vor allem auch der psychologische Effekt: man reitet sich frei…“

 

Beim Tag der offenen Stalltür im Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg zeigten die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins aber auch Einblicke in andere Bereiche ihrer Arbeit. Pferdetrainer Klaus Reischmann aus Aegidienberg fesselte die zahlreichen Besucher mit einer sehr kurzweiligen Demonstration seiner Bodenarbeit für Therapiepferde. Er stellte Übungen vor, mit denen das Vertrauen zwischen Pferd und Pferdeführer gefördert und das Pferd Gehorsam erlernen kann. Gerade in der Reittherapie mit Patienten ist man auf gelassene, folgsame Pferde angewiesen, die nicht sofort erschrecken und ihrem Fluchttrieb folgen, sondern sich in kritischen Situationen an der Reaktion ihres Pferdeführers orientieren.

 

Dass auch ein Therapiepferd Auslauf und Abwechslung vom Therapiebetrieb braucht, demonstrierten anschießend Lars Viereck und Nele Feline Michel mit Ausschnitten aus der täglichen Ausgleichsarbeit. Zum Abschluss des Tages präsentierten die Kinder der drei integrativen Voltigiergruppen des Vereins ihr turnerisches Können auf dem Rücken der Pferde. Damit endete der Tag der offenen Stalltür, der wieder einmal einen Besuch wert gewesen war.

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53578 Windhagen

 

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