Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg e.V.
Zentrum für Therapeutisches Reiten Johannisberg e.V.

Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer proben Abläufe zur Rettung eines Patienten

Auch Wiederbelebungsmaßnahmen wurden geübt

WINDHAGEN-JOHANNISBERG, 1. September 2011. Unter Anleitung der Kinderkardiologin Dr. Sabine Schickendantz von der Uni-Klinik Köln wird ein auf den ersten Blick recht einfach wirkendes Szenario durchgespielt. Während drei Patienten auf ihren Pferden mit jeweils einer Therapeutin und Pferdeführerin ihre Reittherapie absolvieren, erleidet ein Patient einen Krampfanfall, kann sich nicht mehr halten und rutscht vom Pferd. „Nun kommt es aber darauf an, kühlen Kopf zu bewahren, und die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu tun“, erklärt die Ärztin. „Aufgeregtes Hin- und Herlaufen muss unbedingt vermieden werden. Jede Gruppe hat sich zunächst um ihren eigenen Patienten zu kümmern und dafür zu sorgen, dass die Pferde ruhig bleiben. Schließlich wollen wir keine zusätzlichen Verletzungen oder Unfälle durch scheuende Therapiepferde provozieren.“ An diese Vorgabe halten sich die Gruppen während der Übung. Der zweite Patient wird zur Rampe gebracht, wo er wie gewohnt vom Pferd absteigen kann. Der dritte wird entsprechend seiner hochgradigen Behinderung in einer anderen Ecke der Reithalle mit dem Lift vom Pferderücken gehoben. Auch das Pferd des Unfallopfers wird zunächst ruhigen Schrittes von der Pferdeführerin aus der Halle gesteuert. Erst wenn die übrigen Patienten in Sicherheit und alle Pferde in der Wartebox untergebracht sind, beginnen die Therapeutinnen und Pferdeführerinnen damit, dem Verunfallten und seiner Betreuerin zu helfen.

 

Bis dahin kümmert sich die Therapeutin des Notfallpatienten alleine um ihren Schützling. Sie untersucht ihn auf Verletzungen, redet beruhigend auf ihn ein und bringt ihn bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage. Im schlimmsten Fall muss sie sofort Maßnahmen zur Wiederbelebung einleiten. „Aus diesem Grund hatten wir am Vormittag mit Unterstützung des Roten Kreuzes einen dreistündigen Erste-Hilfe-Fresh-Up-Kurs durchgeführt“, so Schickendantz. Rettungsassistent Holger Riedel vom Kreisverband Neuwied des DRK hatte bei dieser Gelegenheit bereits vorhandenes Wissen bei den Teilnehmern aufgefrischt. Vom Absetzen des Notrufs, der Stabilen Seitenlage über die Mund-zu-Mund-Beatmung bis hin zu Verbandstechniken reichten die Übungseinheiten für die Gruppe. Daneben berichtete der DRK-Helfer von den Neuerungen im Bereich der Ersten Hilfe und beantwortete alle ihm gestellten Zusatzfragen. Außerdem erhielten die Teilnehmer eine Einweisung in die Benutzung des vor Ort vorhandenen Rettungsrucksackes mit Defibrilator und des Spineboard (Rettungstrage).

 

Im weiteren Verlauf der Nachmittags-Übung gilt es dann, die weiteren Abläufe durchzuspielen: Wer setzt den Notruf ab? Wer bringt die Notfall-Ausrüstung zum Patienten? Wer hält den Parkplatz für den Rettungswagen frei? Wer kümmert sich um anwesende Besucher oder Angehörige? Wer besorgt die Patientenakte für die Sanitäter? Wer holt die übrigen Pferde von der Koppel, falls ein Rettungshubschrauber landen muss? Die Dauer jeder Aktion wird von einem der zahlreichen eingeteilten Protokollanten auf die Sekunde genau gestoppt. In den nächsten Tagen werden diese Ergebnisse in den bestehenden Nothilfeplan eingearbeitet, der ständig aktualisiert wird.

 

„Für eine Einrichtung wie die unsere ist es enorm wichtig, solche Übungen regelmäßig durchzuführen“, macht die Vereinsvorsitzende Marion Drache deutlich. „Im Therapeutischen Reiten behandeln wir vielfältig und schwer erkrankte Menschen, die wegen ihrer Grunderkrankungen jederzeit, also auch während einer Therapie, gefährdet sind, in eine akute Notfall-Situation zu kommen. Zum Beispiel durch Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder ähnliches. Auf eine solche Situation zumindest ein Stück weit vorbereitet zu sein ist Ziel der Übung. Sie soll den Beteiligten die Komplexität der erforderlichen Maßnahmen bewusst machen und gleichzeitig Hemmschwellen abbauen. Dies bringt dem Patienten zusätzliche Sicherheit und kann ihm unter Umständen das Leben retten.“ Auch in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR) hat sie sich dem Thema Qualitätssicherung verschrieben: „Empfehlenswert ist eine solche Übung einmal jährlich. Bisher ist von Seiten des Gesetzgebers für die Zulassung zur Reittherapie jedoch lediglich der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses erforderlich. Dies erscheint uns allerdings nicht ausreichend.“ Das Fernziel der Vereinsvorsitzenden ist eine umfassende ISO-Zertifizierung, an der sich alle Therapiebetriebe bei der Einrichtung ihrer Sicherheitsstandards orientieren könnten.

 

Durch die jüngste Notfallübung konnte man wieder neue Erkenntnisse gewinnen: „Dem Pferdeführer kommt eine größere Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Alarmsituation zu, als wir bislang gedacht hatten“, stellt Drache fest. „Während der Therapeut sich ausschließlich um den Patienten kümmert, muss der Pferdeführer genau wissen, was er in welcher Reihenfolge zu tun hat, um effektiv helfen zu können.“ Diese Abläufe sollen in Johannisberg in den kommenden Wochen und Monaten durch zusätzliche Schulungen verinnerlicht werden. „Ein großer Dank für ihre Unterstützung und Beratung während der Übung geht auch an unsere beiden DRK-Helfer Jörn Bail und Peter Brungs vom DRK-Ortsverband Königswinter“, ergänzt Drache. „Sie haben den eingesetzten Rettungswagen gesteuert und eine echte Besatzung sowie die Abläufe in der Rettungszentrale nachgestellt.“

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